Emilie „Emmi” Delbrück, Tochter des Historikers Hans Delbrück und dessen Frau Carolina geb. Thiersch, wächst mit sechs Geschwistern in Berlin-Grunewald auf. Sie besucht ein Mädchengymnasium und studiert anschließend Geige.
1930 heiratet sie den Juristen Klaus Bonhoeffer, der 1935 Syndikus der Deutschen Lufthansa wird. Dieser sucht nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in enger Verbindung mit seinen Schwagern Hans von Dohnanyi, Justus Delbrück und Rüdiger Schleicher verschiedene Widerstandskreise zusammenzuführen und das Militär zum Handeln zu bewegen. Emmi Bonhoeffer führt verschlüsselte Telefongespräche und bewacht ihr Wohnhaus, wenn dort geheime Treffen stattfinden.
Nach der Ermordung Klaus Bonhoeffers und weiterer männlicher Familienmitglieder durch die Gestapo kurz vor Kriegsende schlägt sie sich im Juni 1945 bis nach Holstein durch, wo ihre drei Kinder bei Verwandten untergebracht sind.
„Der nähere Umkreis der Männer und Frauen, in dem ich gelebt habe, war ein Kreis, in dem das Urteil und die politische Phantasie der Frau beim Suchen nach rettenden Auswegen aus der Katastrophenpolitik Hitlers eine erhebliche Rolle spielte.”
Emmi Bonhoeffer in einem Vortrag über Frauen im Widerstand, 1983
In Gronenberg/Holstein baut Emmi Bonhoeffer das von ihr erdachte System „Hilfe für Hilfe” auf, das Sachspenden gegen Arbeit vergibt und landesweit Schule macht. 1954 erhält sie das Bundesverdienstkreuz. Ab 1952 in Frankfurt am Main, betreut Emmi Bonhoeffer während des Auschwitz-Prozesses die aussagenden Überlebenden aus den USA und Israel. Ihre Briefe aus dieser Zeit an eine in den USA lebende jüdische Freundin werden 1965 veröffentlicht.
Emmi Bonhoeffer ist bis zuletzt aktives Mitglied von Amnesty international und engagiert sich als Zeitzeugin für das Gedenken an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und für Demokratie und Menschenrechte.
Personen
Weiterführendes
Emmi Bonhoeffer: Zeugen im Auschwitz-Prozeß. Begegnungen und Gedanken, Wuppertal-Barmen 1965
Dorothee von Meding: Mit dem Mut des Herzens. Die Frauen des 20. Juli, Berlin 1997
Sigrid Grabner/Hendrik Röder (Hg.): Emmi Bonhoeffer. Essay, Gespräch, Erinnerung, Berlin 2004
Jutta Koslowski (Hg.): Nach dem 20. Juli 1944 – Ein unveröffentlichter Erlebnisbericht von Emmi Bonhoeffer, in: Bonhoeffer-Rundbrief Nr. 131 (2021), S. 15–42.











