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Biografie

Emmi Bonhoeffer

geb. Delbrück

13. Mai 1905, Berlin – 12. März 1991, Düsseldorf

Porträt der 25-jährigen Emilie Bonhoeffer: Sie hat dunkelblondes Haar, das sie hinter die Ohren gekämmt hat und ihr weit in den Nacken fällt. Sie lächelt von unten nach oben in die Kamera. .

Emilie „Emmi” Delbrück, Tochter des Historikers Hans Delbrück und dessen Frau Carolina geb. Thiersch, wächst mit sechs Geschwis­tern in Berlin-Grune­wald auf. Sie besucht ein Mädchen­gym­nasium und stu­diert an­schließend Geige.

1930 heiratet sie den Juristen Klaus Bon­hoeffer, der 1935 Syndikus der Deutschen Luft­hansa wird. Dieser sucht nach der national­sozia­listischen Macht­über­nahme in enger Ver­bindung mit seinen Schwagern Hans von Dohnanyi, Justus Delbrück und Rüdiger Schlei­cher ver­schie­dene Wider­stands­kreise zusam­men­zuführen und das Militär zum Handeln zu bewegen. Emmi Bonhoeffer führt ver­schlüsselte Telefon­ge­spräche und bewacht ihr Wohn­haus, wenn dort geheime Treffen statt­finden.

Nach der Ermor­dung Klaus Bon­hoeffers und weiterer männ­licher Familien­mit­glieder durch die Gestapo kurz vor Kriegs­ende schlägt sie sich im Juni 1945 bis nach Hol­stein durch, wo ihre drei Kinder bei Ver­wandten unter­ge­bracht sind. 

„Der nähere Um­kreis der Männer und Frauen, in dem ich gelebt habe, war ein Kreis, in dem das Urteil und die poli­tische Phan­tasie der Frau beim Suchen nach retten­den Aus­wegen aus der Katas­tro­phen­poli­tik Hitlers eine erheb­liche Rolle spielte.”

Emmi Bonhoeffer in einem Vortrag über Frauen im Widerstand, 1983

In Gronen­berg/Holstein baut Emmi Bon­hoeffer das von ihr erdachte System „Hilfe für Hilfe” auf, das Sach­spenden gegen Arbeit vergibt und landes­weit Schule macht. 1954 erhält sie das Bundes­ver­dienst­kreuz. Ab 1952 in Frank­furt am Main, betreut Emmi Bonhoeffer während des Auschwitz-Pro­zesses die aus­sagen­den Über­le­ben­den aus den USA und Israel. Ihre Briefe aus dieser Zeit an eine in den USA leben­de jüdische Freundin werden 1965 ver­öffent­licht.

Emmi Bonhoeffer ist bis zuletzt aktives Mit­glied von Amnesty inter­natio­nal und enga­giert sich als Zeit­zeugin für das Geden­ken an den Wider­stand gegen den Natio­nal­sozialis­mus und für Demo­kratie und Menschen­rechte.  

Porträt der 25-jährigen Emilie Bonhoeffer: Sie hat dunkelblondes Haar, das sie hinter die Ohren gekämmt hat und ihr weit in den Nacken fällt. Sie lächelt von unten nach oben in die Kamera. .

Emmi Bonhoeffer 

Weiterführendes

Emmi Bonhoeffer: Zeugen im Auschwitz-Prozeß. Begegnungen und Gedanken, Wuppertal-Barmen 1965

Dorothee von Meding: Mit dem Mut des Herzens. Die Frauen des 20. Juli, Berlin 1997

Sigrid Grabner/Hendrik Röder (Hg.): Emmi Bonhoeffer. Essay, Gespräch, Erinnerung, Berlin 2004

Jutta Koslowski (Hg.): Nach dem 20. Juli 1944 – Ein unveröffentlichter Erlebnisbericht von Emmi Bonhoeffer, in: Bonhoeffer-Rundbrief Nr. 131 (2021), S. 15–42.