zurück

Biografie

Margarethe Thiele

geb. Rettig

16. Dezember 1913, Bottrop – 29. Dezember 1993, Wuppertal

Porträt der 36-jährigen Margarete Thiele. Sie hat dunkles Haar, das sie nach hinten gekämmt und im Nacken zusammengesteckt hat. Sie trägt ein dunkles, mit metallenen Applikationen versehenes Kleid.

Margarete (Grete) Rettig wird 1913 in eine sozial­demo­kra­tische Arbeiter­familie in Bottrop geboren. Von sechs Kindern über­leben wegen Unter­ernährung nur sie und ihr Bruder. Als ihr Vater, der als Berg­mann arbeitet, bei einem Gruben­unglück stirbt, zieht die Mutter mit beiden Kindern nach Wupper­tal. Nach Abschluss der Handels­schule wird Grete Rettig Kontoristin.

Zunächst selbst Mitglied der SPD, wendet sie sich nach der Macht­über­nahme durch die National­sozialisten kommunis­tischen Gruppen zu. Im Dezember 1933 wird Margarete Rettig erst­mals für einige Tage ver­haftet, 1936 erneut ge­fasst und bei Ver­hören gefoltert – Sie deckt ihren Bruder, der beim Ver­teilen ver­botener Schriften über­führt wurde. Wegen „Vorbereitung zum Hoch­verrat“ wird sie vom „Volks­gerichtshof“ zu drei­einhalb Jahren Zucht­haus ver­urteilt, die sie unter anderem in Laufen und Ziegen­hain verbüßen muss. Dort lernt sie Mit­gefangene wie Johanna Melzer kennen und wird über­zeugte Kommunistin. 1939 frei­gelassen, findet Grete Rettig eine neue Arbeits­stelle als Kontoristin und heiratet 1941. Sie wird schwanger und erleidet wenige Tage vor Kriegs­ende eine Tot­geburt.

Nach dem Ende des Krieges kehrt Margarete Thiele nach Wupper­tal zurück, wird Mitglied der KPD und zieht 1947 in den ersten Land­tag von Nordrhein-Westfalen ein. 1949 als eine von nur 28 Frauen in den ersten Deutschen Bundes­tag gewählt, setzt sie sich ins­beson­dere für die Belange von Jugend­lichen und gegen die Wieder­bewaffnung der Bundes­republik Deutsch­land ein. Mit Ver­schärfung des Ost-West-Konflikts wird 1952 gegen Grete Thiele ein Haft­befehl erlassen und 1956 die KPD ver­boten, sodass sie sich ent­scheidet, mit ihrem 1949 geborenen Sohn zeit­weise in der DDR zu leben. 

Zurück in Wupper­tal wird Margarete Thiele 1968 Mit­begründerin der DKP. Sie bleibt bis ins hohe Alter politisch aktiv.


Porträt der 36-jährigen Margarete Thiele. Sie hat dunkles Haar, das sie nach hinten gekämmt und im Nacken zusammengesteckt hat. Sie trägt ein dunkles, mit metallenen Applikationen versehenes Kleid.

Margarethe Thiele 

Weiterführendes

Juli Zeh: „Straße frei, es wird geschossen!“, in: Deutscher Bundestag (Hg.): Der nächste Redner ist eine Dame. Die Frauen im ersten Deutschen Bundestag, Berlin 2024, S. 85-98