Margarete (Grete) Rettig wird 1913 in eine sozialdemokratische Arbeiterfamilie in Bottrop geboren. Von sechs Kindern überleben wegen Unterernährung nur sie und ihr Bruder. Als ihr Vater, der als Bergmann arbeitet, bei einem Grubenunglück stirbt, zieht die Mutter mit beiden Kindern nach Wuppertal. Nach Abschluss der Handelsschule wird Grete Rettig Kontoristin.
Zunächst selbst Mitglied der SPD, wendet sie sich nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten kommunistischen Gruppen zu. Im Dezember 1933 wird Margarete Rettig erstmals für einige Tage verhaftet, 1936 erneut gefasst und bei Verhören gefoltert – Sie deckt ihren Bruder, der beim Verteilen verbotener Schriften überführt wurde. Wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ wird sie vom „Volksgerichtshof“ zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, die sie unter anderem in Laufen und Ziegenhain verbüßen muss. Dort lernt sie Mitgefangene wie Johanna Melzer kennen und wird überzeugte Kommunistin. 1939 freigelassen, findet Grete Rettig eine neue Arbeitsstelle als Kontoristin und heiratet 1941. Sie wird schwanger und erleidet wenige Tage vor Kriegsende eine Totgeburt.
Nach dem Ende des Krieges kehrt Margarete Thiele nach Wuppertal zurück, wird Mitglied der KPD und zieht 1947 in den ersten Landtag von Nordrhein-Westfalen ein. 1949 als eine von nur 28 Frauen in den ersten Deutschen Bundestag gewählt, setzt sie sich insbesondere für die Belange von Jugendlichen und gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland ein. Mit Verschärfung des Ost-West-Konflikts wird 1952 gegen Grete Thiele ein Haftbefehl erlassen und 1956 die KPD verboten, sodass sie sich entscheidet, mit ihrem 1949 geborenen Sohn zeitweise in der DDR zu leben.
Zurück in Wuppertal wird Margarete Thiele 1968 Mitbegründerin der DKP. Sie bleibt bis ins hohe Alter politisch aktiv.
Personen
Weiterführendes
Juli Zeh: „Straße frei, es wird geschossen!“, in: Deutscher Bundestag (Hg.): Der nächste Redner ist eine Dame. Die Frauen im ersten Deutschen Bundestag, Berlin 2024, S. 85-98


