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Johanna Melzer

7. August 1904, Oberwaldenburg (Wałbrzych) – 3. Oktober 1960, Berlin

Johanna Melzer wird 1904 als Toch­ter eines Berg­ar­bei­ters im schle­si­schen Ober­walden­burg ge­bo­ren. Als ihr Vater eine Stel­le im Ruhr­gebiet be­kommt, zieht die Fa­mi­lie um. Johanna Melzer ar­bei­tet nach der Schule in der Ge­meinde­ver­walt­ung von Rünthe, als Ver­käuferin und als Buch­halterin der kom­mu­nis­ti­schen Zeit­ung „Ruhr Echo“.

Ihre Politisierung be­ginnt An­fang der 1920er Jahre. 1923 tritt sie dem Kom­mu­nis­ti­schen Ju­gend­verband Deutsch­lands (KJVD), ein Jahr später der KPD bei. Zu­dem leitet sie in Bochum den Roten Frauen-und Mädchen­bund (RFMB) und en­ga­giert sich in der Roten Hilfe. Von 1930 bis 1932 ist Johanna Melzer Mitglied der KPD-Bezirks­leitung Groß­thüringen. 

Im März 1933 kehrt Johanna Melzer nach Dort­mund zurück und setzt dort ihre Ar­beit für die KPD fort. Sie wird im Juli 1933 fest­genom­men und in das Polizei­revier Stein­wache ge­bracht. Bis Dezember 1933 muss sie in „Schutz­haft“ bleiben. Nach ihrer Frei­las­sung taucht sie unter und ist für die KPD in Biele­feld, Osna­brück und Hagen tätig.

Am 26. August 1934 wird Johanna Melzer auf offener Straße in Hagen fest­ge­nom­men und in Haft schwer miss­handelt. An­ge­klagt wegen „Vor­be­rei­tung zum Hoch­verrat“, wird sie am 1. März 1935 durch das Ober­landes­gericht Hamm zu 15 Jahren Zucht­haus verurteilt. Sie muss ihre Haft­zeit in Ziegen­hain, Lübeck -Lauer­hof, Hamburg-Fuhls­büttel, Cott­bus und Laufen verbrin­gen und ist teil­weise in Einzel­haft unter­ge­bracht.

Mein Wunsch ist, dass die Welt von diesem Verbrecher befreit wird.

Johanna Melzer, 1946. Aus­sage gegenüber der britischen Militär­behörde über den Gestapo-Beamten Otto Kassebaum, der sie und andere in der Stein­wache Dortmund misshandelt hatte.

Nach Kriegs­ende en­ga­giert sich Johanna Melzer zu­nächst für die KPD in Thüringen. 1946 kehrt sie nach Dort­mund zurück und gehört bis 1950 dem Land­tag von Nord­rhein-West­falen an. Sie ist Mit­glied im Partei­vor­stand der KPD vor Ort und im west­deutschen Demokratischen Frauenbund aktiv. Als gegen sie wegen der Ver­brei­tung eines Flug­blattes gegen die Re-Mili­ta­ri­sie­rung der Bun­des­re­pu­blik ermittelt und ein Strafverfahren eingeleitet wird, siedelt Johanna Melzer 1956 nach Ost-Berlin über. 

Johanna Melzer