Gertrud Seisler wächst mit vier Geschwistern in einer Arbeiterfamilie in Berlin-Schöneberg auf. Sie absolviert eine Ausbildung zur Bürogehilfin und bewegt sich im Umfeld des Kommunistischen Jugendverbands (KJVD).
Als Gertrud Seisler einem Aufruf des KJVD folgend Ende des Jahres 1934 einen Blumenstrauß auf das Grab von Rosa Luxemburg auf dem Sozialistenfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde legt, wird sie festgenommen, im Polizeigefängnis am Alexanderplatz inhaftiert und verhört. Laut Haftakten wird sie am 13. Dezember 1934 in das Frauen-KZ Moringen überstellt und nach dreieinhalb Monaten KZ-Haft am 21. März 1935 entlassen. Sie setzt ihre Widerstandstätigkeit in den folgenden Jahren in einer kommunistischen Gruppe um Bernhard Pampuch fort, dessen Bruder Bruno sie 1936 heiratet. Sie verfassen und verteilen Flugblätter, helfen Familien von politisch Verfolgten und stehen in Kontakt mit der Widerstandsgruppe um Ruth Andreas-Friedrich in Berlin-Steglitz. 1941 bekommt sie einen Sohn.
Nach dem Krieg begegnet Gertrud Pampuch ihrer Jugendliebe Henry Keen (geb. Chasanowitsch) wieder, der 1933 als jüdischer Kommunist vor den Nationalsozialisten nach Großbritannien geflohen war. Sie heiraten im September 1950 und ziehen nach London. Henry Keen stirbt bereits 1952, vor der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter, an Krebs.
Gertrud Keen kehrt 1954 nach West-Berlin zurück und wird Mitglied der SPD. Ihr Antrag auf Anerkennung als politisch Verfolgte wird zunächst abgelehnt, nach ihrer Klage jedoch 1957 stattgegeben. Bedingt durch die Verfolgung während des Nationalsozialismus leidet Gertrud Keen jahrzehntelang an gesundheitlichen Problemen. Sie engagiert sich in der „Liga für Menschenrechte“ und in den 1980er Jahren als Zeitzeugin bei antifaschistischen Stadtrundfahrten des Landesjugendrings in Berlin.
Personen
Weiterführendes
Es kann nicht jeder ein Held sein … (Gertrud Keen), in: Berliner Zeitzeugen. Aus dem antifaschistischen Widerstand (Heinz Schröder – Gertrud Keen – Wolfgang Szepansky). Eine Dokumentation von Loretta Walz, Videoproduktion Berlin, Landesjugendring, Berlin 1993
Ich habe nie „Heil Hitler“ gesagt. Gertrud Keen, ein deutsches Schicksal. Dokumentarfilm von Vera Leiser, Absolut Medien, Berlin 1999
Gertrud Keen kämpft um ein Paar Kinderschuhe. Radio RBB-Kultur-Feature von Margit Miosga, 2020










