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Biografie

Gertrud Pampuch

geb. Seisler

19. Mai 1915, Berlin – 11. Dezember 2004, Berlin

Portrait: Gertrud Pampuch

Gertrud Seisler wächst mit vier Ge­schwistern in einer Arbeiter­familie in Berlin-Schöneberg auf. Sie absol­viert eine Aus­bildung zur Büro­gehilfin und bewegt sich im Um­feld des Kom­munis­tischen Jugend­verbands (KJVD).

Als Ger­trud Seis­ler einem Aufruf des KJVD fol­gend Ende des Jahres 1934 einen Blumen­strauß auf das Grab von Rosa Luxem­burg auf dem Sozialisten­friedhof in Berlin-Friedrichsfelde legt, wird sie fest­genommen, im Polizei­gefängnis am Alexander­platz inhaf­tiert und ver­hört. Laut Haft­akten wird sie am 13. Dezem­ber 1934 in das Frauen-KZ Mo­ringen über­stellt und nach dreiein­halb Mo­naten KZ-Haft am 21. März 1935 ent­lassen. Sie setzt ihre Wider­stands­tätigkeit in den fol­genden Jahren in einer kom­munis­tischen Gruppe um Bern­hard Pam­puch fort, dessen Bruder Bruno sie 1936 heiratet. Sie ver­fassen und ver­teilen Flug­blätter, helfen Fa­milien von poli­tisch Ver­folgten und stehen in Kon­takt mit der Wider­stands­gruppe um Ruth Andreas-Friedrich in Berlin-Steglitz. 1941 be­kommt sie einen Sohn.

Nach dem Krieg be­gegnet Ger­trud Pam­puch ihrer Jugend­liebe Henry Keen (geb. Chasanowitsch) wieder, der 1933 als jü­discher Kom­munist vor den National­sozialisten nach Groß­britannien ge­flohen war. Sie hei­raten im Septem­ber 1950 und ziehen nach Lon­don. Henry Keen stirbt bereits 1952, vor der Ge­burt ihrer ge­meinsamen Tochter, an Krebs. 

Ger­trud Keen kehrt 1954 nach West-Berlin zurück und wird Mit­glied der SPD. Ihr An­trag auf Aner­kennung als poli­tisch Ver­folgte wird zu­nächst ab­gelehnt, nach ihrer Klage je­doch 1957 statt­gegeben. Be­dingt durch die Ver­folgung während des National­sozialismus lei­det Gertrud Keen jahr­zehnte­lang an gesund­heitlichen Pro­blemen. Sie enga­giert sich in der „Liga für Menschen­rechte“ und in den 1980er Jahren als Zeit­zeugin bei anti­faschis­tischen Stadt­rund­fahrten des Landes­jugend­rings in Berlin. 

Portrait: Gertrud Pampuch

Gertrud Pampuch 

Weiterführendes

Es kann nicht jeder ein Held sein … (Gertrud Keen), in: Berliner Zeitzeugen. Aus dem antifaschistischen Widerstand (Heinz Schröder – Gertrud Keen – Wolfgang Szepansky). Eine Dokumentation von Loretta Walz, Videoproduktion Berlin, Landesjugendring, Berlin 1993

Ich habe nie „Heil Hitler“ gesagt. Gertrud Keen, ein deutsches Schicksal. Dokumentarfilm von Vera Leiser, Absolut Medien, Berlin 1999

Gertrud Keen kämpft um ein Paar Kinderschuhe. Radio RBB-Kultur-Feature von Margit Miosga, 2020