zu den Biografien

Jutta Madlung

8. Dezember 1921, Hamburg – 23. Oktober 2000, Hamburg

Jutta Madlung wächst mit ihrer Schwe­ster Inga Madlung in gut­bürger­lichen Ver­hält­nis­sen in Hamburg auf. Die Tochter eines Rechts­an­walts besucht ver­schiedene Privat­schulen, ent­schließt sich jedoch für einen von der Familie un­abhän­gigen beruflichen Weg. Statt in der Kanzlei ihres Vaters Fuß zu fassen, wird sie Laborantin für me­di­zi­nisch-chemische Unter­such­ungen in Hamburg.

Jutta Madlung gilt auf­grund der jü­di­schen Her­kunft ihres Vaters im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus als „Geltungs­jüdin“. Ge­mein­sam mit ihrer Schwes­ter Inga ist sie in der Ham­burger Swing-Jugend aktiv. Auf pri­va­ten Ver­an­stal­tun­gen treten sie zu­sam­men, als „The Andrews Sisters“ oder „Swing Girl“ auf. Die Be­hand­lung von Jü­din­nen und Ju­den nennt Jutta Madlung ein „grobes Un­recht“. 

Sie zeigt sich in der Öffentlich­keit mit einer jü­di­schen Freun­din, die den gelben Stern tragen muss, und gerät des­halb in Konflikt mit der örtlichen „Hitler-Jugend“ (HJ). Auch nach einer Ver­war­nung durch den Streifen­dienst der HJ hält sie den Kontakt zu jü­dischen Freun­din­nen und Freun­den aufrecht. 

Ge­mein­sam mit ihrer Schwes­ter Inga Madlung wird sie am 19. Juni 1942 auf­grund ihrer kri­ti­schen Ein­stel­lung und dem Er­zäh­len po­li­ti­scher Witze fest­genom­men und als poli­ti­scher Häft­ling im Polizei­ge­fäng­nis Fuhls­büttel in­haftiert. An­schlie­ßend wird Jutta Madlung in das KZ Ravens­brück über­führt und dort bis August 1943 fest­ge­hal­ten. 

Meine Schwester war mit mir zusammen einer Arbeits­kolonne zugeteilt, ... Diese Arbeit konnte meine Schwester nach ihrer Ent­lassung aus dem Kranken­revier nicht mehr ohne fremde Hilfe ausführen.

Jutta Madlung, 10. Oktober 1953

Im KZ Ravensbrück singen beide Schwestern Swingtitel in ihrer Baracke, um Mit­häft­lingen Mut zu machen. 

Im Herbst 1945 sagt Jutta Madlung ge­mein­sam mit ihrer Schwes­ter im Pro­zess gegen Täter­innen und Täter aus dem KZ Bergen-Belsen aus, die vor­mals in Ravens­brück ein­ge­setzt waren. Sie bleibt nach Kriegs­ende in Hamburg, muss 1950 jedoch ihre Arbeit als La­bo­ran­tin aus ge­sund­heit­lichen Gründen auf­ge­ben. 

Beide Schwes­tern er­halten nach Kriegs­ende eine Ent­schädi­gung für ihre Haft­zeit und deren Folgen. 

Jutta Madlung 

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