zu den Biografien

Inga Madlung

22. Juni 1920, Hamburg – 14. Oktober 1995, London

Inga Madlung wächst in gut­bür­ger­li­chen Ver­hält­nis­sen auf und ar­bei­tet nach Ende der Schul­zeit im Sekre­tariat der Rechts­anwalts­kanzlei ihres Vaters. Da ihr Vater aus einer jü­di­schen und ihre Mutter aus einer evange­lischen Fa­mi­lie stammt, gilt sie nach na­tional­sozialis­tischer De­fi­ni­ti­on als „Gel­tungs­jü­din“. 

Nach der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Macht­über­nahme setzt sie sich kri­tisch mit der anti­jü­di­schen Politik des NS-Regimes aus­ein­an­der. In der Fa­mi­lie wird über das Thema intensiv ge­spro­chen, ins­be­son­de­re über die zu­nehmende Aus­gren­zung und rassische Ver­folgung von Jü­din­nen und Ju­den. 

Infolge der Behand­lung im Lager habe ich mir ein schweres Augen­leiden zugezogen …

Inga Madlung, 1946 

Ab 1937 ist Inga Madlung in der Hamburger Swing-Jugend aktiv. Sie lernt Saxo­phon und singt. Mit ihrer Schwes­ter Jutta Madlung tritt sie als „The Andrews Sisters“ oder „Swing Girl“ auf pri­vaten Feiern auf und prä­sentiert dort Swing­musik. In der Öf­fent­lich­keit hält sie Kontakt zu ihren jü­di­schen Freund­innen und Freunden. 

1942 wird Inga wegen der „Ver­ächtlich­machung der Reichs­regierung“ fest­ge­nom­men. Zunächst im Polizei­gefängnis Fuhlsbüttel in­haf­tiert, kommt sie im September 1942 als po­li­ti­scher Häft­ling in das Frauen­kon­zen­tra­ti­ons­lager Ravens­brück. Von dort wird sie im No­vem­ber 1943 ent­lassen. 

Durch die Haft ist sie ge­sund­heit­lich schwer ge­schädigt. Beide Schwes­tern geben in Haft ihre Musik nicht auf und singen Swing­titel, um sich und an­de­ren Mit­häft­lin­gen Mut zu machen. 

1945 sagt Inga Madlung im Prozess gegen Täter­innen und Täter aus dem KZ Bergen-Belsen aus, die auch in Ravens­brück ein­gesetzt waren. 1948 ver­lässt sie Deutsch­land, geht nach Groß­britannien und gründet dort eine Familie. 

Da sie in­folge von in der Haft er­lit­ten­en Schä­di­gun­gen starke Augen­pro­bleme hat, kann sie nicht mehr ar­bei­ten. 

Beide Schwestern er­hal­ten nach Kriegs­ende eine Ent­schädi­gung für ihre Haft­zeit und deren Fol­gen.

Inga Madlung