zu den Biografien

Karin Friedrich

18. Februar 1925, Marburg/Lahn – 27. November 2015, Starnberg

Karin Friedrich, Berlin, 1946

Karin Friedrich wächst bei ihrer Mutter, der Jour­na­lis­tin Ruth Andreas-Fried­rich, auf. In ihrer Woh­nung am Hünen­steig 6 in Berlin-Steg­litz, wo sie seit 1933 leben, ver­keh­ren auch viele jü­di­sche Be­kann­te. Ihr Vater ist der Un­ter­neh­mer Otto A. Friedrich. 

Ich muss dir jetzt etwas ver­raten… das ist un­ser Ge­heim­nis. Wir können den Hitler nicht lei­den. Er ist gemein zu unseren Freun­den.

Ruth Andreas-Friedrich zur neun­jährigen Karin im April 1934, als diese an ihrer Schule „Juda ver­recke“ rufen soll

Ihre Woh­nung wird ab 1938 zu einem Zu­fluchts­ort für politisch und „rassisch“ Ver­folg­te und zu einem Treff­punkt für Re­gime­geg­ne­rin­nen und -geg­ner.

Ab 1940 un­ter­stützt Karin Friedrich aktiv die Hilfs­aktio­nen des Netz­werks. Weil sie blond und blau­äugig ist, fällt sie bei Boten­gängen nicht auf. Die 15-Jährige besorgt mit gefäl­schten Lebens­mit­tel­mar­ken Nah­rung für un­ter­ge­tauch­te Jü­din­nen und Juden. Nach Bom­ben­an­grif­fen hält sie Kon­takt mit den „U-Booten“.

Am 18. Febru­ar 1943 wird Karin Friedrich 18 Jah­re alt. Wenige Tage später, nach der Hin­rich­tung von Mit­glie­dern der Münch­ner Wider­stands­grup­pe Weiße Rose, ver­viel­fältigt die Schau­spiel­schü­le­rin mit ihrer Mut­ter deren letztes Flug­blatt und verteilt 250 Durchschläge in Berlin. 

Außerdem unter­stützt sie den jungen jü­di­schen Mu­si­ker Konrad Latte, der 1943 aus Breslau (Wrocław) nach Berlin geflüch­tet ist. Im April 1945 nehmen sie und ihre Mutter nach der Ver­mitt­lung des Gefängnis­pfarrers Harald Poel­chau das unter­ge­tauch­te Ge­schwis­ter­paar Ralph und Rita Neu­mann bei sich auf.

Nach Kriegs­ende wird Karin Friedrich Teil des Ensembles des Berliner Hebbel­thea­ters. 1950 ziehen sie und ihre Mut­ter nach München. Sie ist lange als Re­por­terin und Re­dak­teu­rin bei der „Süd­deut­schen Zei­tung“ tätig. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2015 warnt sie immer wieder vor dem Er­star­ken rech­ter Tenden­zen.    

2004 wird Karin Friedrich von der Gedenk­stät­te Yad Vashem als Ge­rech­te unter den Völ­kern ge­ehrt. 

Karin Friedrich, Berlin, 1946

Karin Friedrich