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Biografie

Karoline Adel

20. Juni 1916, Berlin – 21. November 2006, Berlin (West)

Porträt von Karoline Adel: Eine Frau mit kurzen und gescheitelten dunklen Haaren. Sie blickt ernst in die Kamera. Sie trägt eine weiße Bluse.

Karoline (Lilli) Adel wird 1916 in Berlin als uneheliche Tochter der Steno­typistin Charlotte Adel geboren. Nach dem Ende ihrer Schul­ausbildung absolviert Lilli eine Aus­bildung zur Kinder­pflegerin. Bereits im Alter von 15 Jahren engagiert sie sich politisch. 1931 schließt sich Lilli Adel der sozialistischen Jugend­organisation SAJ und 1932 dem sozialistischen Jugend­ver­band (SJV) sowie dem Frei­denker­verband an. 

Nach der Macht­übernahme durch die National­sozialisten 1933 setzt sie zusammen mit ihrer Mutter ihr Engage­ment fort. In einer Wohnung im Berliner Prenzlauer Berg, die Charlotte Adel zu diesem Zweck anmietet, treffen sich Kuriere der Sozialis­tischen Arbeiter­partei Deutsch­lands (SAP) und wohnen zeit­weise auch dort. Die Wohnung dient darüber hinaus als Material­lager und Deck­adresse für die nun verbotene SAP. Lilli Adel gibt dort ge­lagerte Materialien weiter und nimmt an Treffen und Diskus­sionen teil.

Im August 1933 wird Lilli Adel zusammen mit mehreren anderen Mit­streiter­innen und Mitstreitern in der Wohnung festgenommen. Bei Ver­nehmungen in der Berliner Gestapo-Zentrale in der Prinz-Albrecht-Straße wird sie mehr­fach körperlich misshandelt und erleidet sexuelle Gewalt. Die an den Miß­hand­lun­gen Be­tei­lig­ten stehen später wegen „Körper­ver­let­zung im Amt" vor Gericht. Das Ver­fah­ren gegen sie wird jedoch ein­ge­stellt. Lilli Adel wird noch vor Prozess­beginn wegen ihres jugend­lichen Alters ent­lassen, steht aber unter polizei­licher Über­wachung und der Aufsicht des Jugend­amtes.

„Als von Plotho erfuhr, wie mein Arrest gestaltet war, ordnete er für mich Einzel­haft an. Nun wurde ich am Abend zum Verhör geholt und nachts ver­nommen. Ich wurde miss­handelt und so ver­gewaltigt, dass ich wegen der Folgen keine Kinder ge­bären konnte.“

Lilli Wagner, geb. Adel, 1991

Während die meisten Mitglieder der Gruppe am 1. Dezember 1934 vom „Volks­gerichts­hof“ zu Haft­strafen ver­urteilt werden, spricht das Gericht die fünf im Verfahren be­schuldigten Jugend­lichen, darunter Lilli Adel, frei. Sie steht jedoch in den Folge­jahren unter behördlicher Beobach­tung und ist nicht mehr politisch aktiv. Sie arbeitet als Dienst­mädchen und Kranken­schwester.

Nach Kriegs­ende heiratet sie und be­richtet in den 1990er Jahren als Zeit­zeugin über ihre Erfah­rungen in der NS-Zeit.

Porträt von Karoline Adel: Eine Frau mit kurzen und gescheitelten dunklen Haaren. Sie blickt ernst in die Kamera. Sie trägt eine weiße Bluse.

Karoline Adel