zu den Biografien

Anna Wendel

geb. Dehn

29. März 1909, Berlin – 23. Juli 2002, Berlin

Anna Dehn wächst in einer Berliner Ar­bei­ter­familie mit Ge­sprä­chen über poli­tische The­men auf. Ihr Vater ist aktiver Gewerk­schaf­ter und Mit­glied der SPD. Anna Dehn be­sucht eine Mäd­chen­schule, kann jedoch aus fi­nan­zi­el­len Grün­den da­nach keine Aus­bil­dung machen und verdient ab 1923 ihren Le­bens­un­ter­halt als un­ge­lern­te Arbei­ter­in in einer Dru­cke­rei.

Sie tritt der Sozia­lis­ti­schen Ar­bei­ter­ju­gend (SAJ), 1925 dem Arbei­ter­sport­ver­ein Fichte und 1926 der Gewerk­schaft der Gra­phi­schen Hilfs­ar­bei­ter bei. 1930 hei­ra­tet Anna Dehn den Musi­ker Otto Wazi­kow­ski. Die Ehe hält jedoch nur drei Jahre. 1934 lernt sie den Kom­mu­nis­ten Lud­wig Wen­del kennen, der ihr Lebensgefährte wird und den sie 1945 heiratet. 

Meine Gene­ra­tion, wenn man die manch­mal hört, da könnte man ver­rückt wer­den, daß sie über­haupt nichts be­grif­fen haben und gar nichts mehr wissen …

Anne Wendel nach 1945

Nach der Macht­über­nah­me durch die NSDAP ist Anna Dehn zu­sam­men mit Ludwig Wen­del für die nun ver­bo­te­ne KPD im Berli­ner Süd­os­ten aktiv. Sie sam­melt Geld für ver­folgte Kom­mu­nis­tin­nen und Kom­mu­nis­ten und deren Familien und ver­brei­tet Flug-blät­ter und Druck­schrif­ten der KPD in Berlin-Kreuz­berg. 

Am 15. Sep­tem­ber 1937 wird Anna Dehn an ihrem Arbeits­platz in einer Dru­cke­rei fest­ge­nom­men. In den fol­gen­den Mo­na­ten ist sie im Poli­zei­ge­fäng­nis am Alex­an­der­platz und danach im Fra­uen­ge­fäng­nis in der Bar­nim­straße in­haf­tiert. 

Am 28. Okto­ber 1938 wird Anna Dehn vor dem „Volks­ge­richts­hof” nach 13 Mona­ten Unter­su­chungs­haft zu fünf Jahren Zucht­haus ver­ur­teilt, die sie in Lübeck-Lau­er­hof und Jauer ver­brin­gen muss. Im Mai 1943 ent­lassen, steht Anna Dehn danach unter Auf­sicht der Gestapo. 

1945 heira­tet sie Ludwig Wen­del, der nur drei Jahre später an den Fol­gen seiner Haft stirbt.

Auch nach Kriegs­ende ist Anna „Anni” Wendel poli­tisch en­ga­giert. Sie tritt der SED in West-Ber­lin bei und ist in der Ver­ei­ni­gung der Ver­folg­ten des Nazi­re­gimes (VVN) aktiv. 1960 er­hält sie für ihre er­lit­te­ne Haft wäh­rend der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus eine Ent­schä­di­gung.

Anna Wendel