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Biografie

Charlotte Thürling

geb. Görner

6. März 1922, Freital – 13. Dezember 2016, Berlin

Portrait: Charlotte Thürling

Charlotte Görner wird 1922 in Freital/Sachsen geboren. Ihr Vater ist Glas­bläser, aus finanziellen Gründen muss die gesamte Familie im Betrieb mit­helfen. 

1941 wird Charlotte Görner schwanger, heiratet und zieht mit ihrem Mann nach Hamburg. Als er in die Wehr­macht einge­zogen und die Wohnung aus­ge­bombt wird, geht Charlotte Thürling mit ihrem Kind zurück nach Freital. Dort wird sie im Rahmen des „Reichs­arbeits­dienstes“ in einem Rüstungs­betrieb ver­pflichtet, wo sie russische Zwangs­arbeiter­innen in die Arbeit ein­weisen soll. 1942 wird sie, ohne den Grund zu kennen, fest­ge­nommen und nach zwei Tagen vom Gefängnis Freital in das Gefängnis in Dresden über­stellt. Nach einem Jahr Inhaftierung wird sie in das KZ Ravensbrück überführt, wo sie zur Arbeit in der Schneiderei und im Siemens-Lager gezwungen wird. Während der Haft­zeit wird die Ehe geschieden und ihr wird das Sorge­recht für das Kind aberkannt. 

Im Sommer 1944 aus dem KZ Ravensbrück entlassen, heiratet sie erneut. Charlotte Kroll zieht nach Hamburg und erstreitet das Sorge­recht. 1950 bekommt sie ein zweites Kind. Die Ehe wird geschieden und sie geht mit beiden Kindern zunächst nach Freital, bevor sie gemeinsam mit ihrer Mutter die DDR verlässt und nach West-Berlin zieht.

Spät erfährt sie den Grund für ihre Fest­nahme: in dem Rüstungsbetrieb hatte sie einer schwangeren russischen Zwangs­arbeiterin Babywäsche und Lebens­mittel geschenkt. Charlotte Kroll engagiert sich bis ins hohe Alter als Zeit­zeugin, nimmt regel­mäßig an Treffen ehemaliger Häftlinge in Ravensbrück teil und wird 2015 mit dem Verdienst­kreuz am Bande aus­gezeichnet.

Sie stirbt 2016 in Berlin.

Portrait: Charlotte Thürling

Charlotte Thürling