Charlotte Görner wird 1922 in Freital/Sachsen geboren. Ihr Vater ist Glasbläser, aus finanziellen Gründen muss die gesamte Familie im Betrieb mithelfen.
1941 wird Charlotte Görner schwanger, heiratet und zieht mit ihrem Mann nach Hamburg. Als er in die Wehrmacht eingezogen und die Wohnung ausgebombt wird, geht Charlotte Thürling mit ihrem Kind zurück nach Freital. Dort wird sie im Rahmen des „Reichsarbeitsdienstes“ in einem Rüstungsbetrieb verpflichtet, wo sie russische Zwangsarbeiterinnen in die Arbeit einweisen soll. 1942 wird sie, ohne den Grund zu kennen, festgenommen und nach zwei Tagen vom Gefängnis Freital in das Gefängnis in Dresden überstellt. Nach einem Jahr Inhaftierung wird sie in das KZ Ravensbrück überführt, wo sie zur Arbeit in der Schneiderei und im Siemens-Lager gezwungen wird. Während der Haftzeit wird die Ehe geschieden und ihr wird das Sorgerecht für das Kind aberkannt.
Im Sommer 1944 aus dem KZ Ravensbrück entlassen, heiratet sie erneut. Charlotte Kroll zieht nach Hamburg und erstreitet das Sorgerecht. 1950 bekommt sie ein zweites Kind. Die Ehe wird geschieden und sie geht mit beiden Kindern zunächst nach Freital, bevor sie gemeinsam mit ihrer Mutter die DDR verlässt und nach West-Berlin zieht.
Spät erfährt sie den Grund für ihre Festnahme: in dem Rüstungsbetrieb hatte sie einer schwangeren russischen Zwangsarbeiterin Babywäsche und Lebensmittel geschenkt. Charlotte Kroll engagiert sich bis ins hohe Alter als Zeitzeugin, nimmt regelmäßig an Treffen ehemaliger Häftlinge in Ravensbrück teil und wird 2015 mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Sie stirbt 2016 in Berlin.

