zu den Biografien

Marie Simon

geb. Jalowicz

4. April 1922, Berlin – 16. September 1998, Berlin

Marie Jalowicz wächst in einer jü­dischen Familie in Berlin auf. Nach dem Tod der Mutter lebt sie bei ihrem Vater. Ab Früh­jahr 1940 muss sie als Jüdin Zwangs­arbeit in einer Fabrik leisten. Sie provoziert ihre Ent­las­sung und schafft es, sich als „deportiert“ aus der Kartei des Arbeits­amtes löschen zu lassen.

Im Juni 1942 entkommt Marie Jalowicz nur knapp einer Fest­nahme und taucht unter. Be­kann­te, aber auch fremde Men­schen nehmen sie bei sich auf. Mehr­fach erlebt sie sexualisierte Gewalt und Aus­beutung durch Hel­fer und Hel­fer­in­nen. Als sie un­ge­wollt schwanger wird, ent­scheidet sie sich schweren Herzens für eine heim­liche Ab­trei­bung.

Im Sep­tem­ber 1942 flieht Marie Jalowicz mit ihrem Freund Dimitr Tschakalow nach Bul­ga­ri­en. Kurz nach ihrer An­kunft wird sie dort als an­geb­liche russische Spionin de­nun­ziert und fest­ge­nom­men. Dank der Hilfe eines deut­schen Beamten kommt sie frei und kehrt nach Berlin zurück.

Nach beinahe drei Jahren in zahl­reichen Ver­stecken erlebt Marie Jalowicz die Be­frei­ung. 1948 heiratet sie ihren Jugend­freund Heinrich Simon. Sie wird Professorin für Literatur- und Kultur­geschichte der Antike an der Humboldt-Uni­ver­si­tät.

Auf Bitten ihres Sohnes, des Historikers und lang­jährigen Leiters des Centrum Judaicum Berlin Hermann Simon, spricht sie ab 1997 ihre Ge­schichte auf 77 Ton­kassetten. 2014 erscheint ihre Auto­biografie.

Marie Simon