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Eva Siewert

11. Februar 1907, Breslau (Wrocław) – 3. Dezember 1994, Berlin

Eva Siewert ist die Toch­ter des Musi­ker­ehe­paares Hans und Frieda Siewert. Nach der Schei­dung ih­rer El­tern lebt sie bei ihrer Mutter in Berlin, wo sie ein Mäd­chen­gym­nasium be­sucht. An­schlie­ßend stu­diert sie Mu­sik und ver­bringt ab 1928 ein Bühnen­jahr als Koloratur­sopra­nistin am Lan­des­theater Olden­burg. In­folge einer Er­kran­kung an Asthma muss sie diese Tätig­keit auf­ge­ben und ar­bei­tet ab 1929 vor­wie­gend als Jour­na­listin. 

1930 bis 1931 lebt Eva Siewert in Teheran. Nach ihrer Rück­kehr hält sie Radio­vor­träge über ihre Reise­erleb­nisse. Ab 1932 ist sie Re­dak­teurin und Sprecher­in für den Sen­der Radio Luxem­burg. Aus Angst vor dem dro­hen­den Zwei­ten Welt­krieg ver­sucht sie 1938, nach Teheran zurück­zu­kehren. Der NS-Staat ver­weigert ihr je­doch das not­wendi­ge Visum. Eva Siewert lebt fortan in Berlin und schlägt sich als Über­setzer­in durch. Da ihre Mutter im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus als „jü­discher Misch­ling“ gilt, wird Eva Siewert die Ar­beit als Jour­na­listin ver­weigert.

In den Jahr­en 1941 und 1942 wird sie zwei­mal wegen kriti­schen Äuße­run­gen und Wit­zen über das Re­gime ver­ur­teilt. Wäh­rend Eva Siewert in Haft ist, taucht im März 1943 ihre jü­di­sche Partner­in Alice Carlé unter, mit der sie seit 1938 liiert ist. Alice und ihre Schwes­ter Charlotte Carlé leben unter fal­schen Namen in Berlin, bis sie im August 1943 von der Gestapo ver­haf­tet, de­por­tiert und im Sep­tem­ber 1943 im Ver­nichtungs­lager Auschwitz-Birkenau er­mor­det ­werden. Nach ihrer Frei­las­sung hilft Eva Siewert Alice Carlés Cousine Lucie Renner, die als ver­folgte Jüdin eben­falls unter­ge­taucht ist.

1946 wird Eva Siewert als „Opfer des Fa­schis­mus“ an­er­kannt. Sie ist frei­be­ruf­lich als Jour­na­listin tätig und lebt bis zu ih­rem Tod 1994 in Berlin-Wilmers­dorf.

Eva Siewert