zu den Biografien

Christine Schmotzer

geb. Freiin von Nesselrode-Hugenpoet

16. Mai 1906, Regensburg – 13. April 1945, Windsheim

Christine Freiin von Nessel­rode-Hu­gen­poet stammt aus west­fä­li­schem Ur­adel und wächst als Toch­ter eines Apo­the­kers in Bayern auf. 1937 heira­tet sie den ver­wit­we­ten Hans Schmotzer, des­sen Fabrik im frän­ki­schen Winds­heim land­wirt­schaft­liche Ma­schi­nen pro­du­ziert. 

Anfang April 1945 näht Christine Schmot­zer mit anderen Frauen Rot­kreuz-Fah­nen. Stadt­räte, darun­ter Hans Schmotzer, haben bei der NSDAP-Kreis­lei­tung die Erklärung Winds­heims zur Lazarett­stadt bewirkt, um Kampf­hand­lun­gen aus­zu­schlie­ßen. 

Der neu ein­ge­setz­te Kampf­kommandant Major Günther Rein­brecht be­fiehlt jedoch er­neut die Ver­tei­di­gung gegen die vor­rücken­den US-amerika­ni­schen Trup­pen. Da­rauf­hin ver­sammeln sich am 12. April 1945 bis zu 300 Frau­en, Kin­der und alte Män­ner vor dem Rat­haus, um ihren Pro­test gegen die ge­plan­te Ver­tei­di­gung ihrer Stadt aus­zu­drü­cken. Dies geht als „Wei­ber­sturm von Winds­heim” in die Nach­kriegs­ge­schich­te ein. 

Am näch­sten Tag su­chen zwei Beam­te der Nürn­ber­ger Ges­ta­po nach „Rä­dels­füh­re­rin­nen”. Rein­brecht hatte ihnen un­ter ande­rem Christine Schmot­zer genannt, ob­wohl diese laut spä­te­ren Zeu­gen­aus­sa­gen nicht zur Ver­samm­lung auf­ge­ru­fen und nur zu Be­ginn teil­ge­nom­men hatte. 

Am Abend des 13. April 1945 er­schießt SS-Sturm­bann­füh­rer Karl Schmid die 38-Jäh­rige vor dem Fabrik­ge­bäu­de und den Augen ihres Man­nes. Neben sie legt er ein Pap­pschild, auf dem in roter Schrift ge­schrie­ben steht: „Eine Ver­rä­te­rin wur­de ge­rich­tet!”        

Zwei Tage spä­ter wird die mittel­frän­ki­sche Stadt von der US-Ar­mee kampf­los ein­ge­nom­men.   

         

   

       

Christine Schmotzer