zu den Biografien

Sofie Schlegel

geb. Kurz

31. Dezember 1887, Pfullingen – 17. Januar 1958, Pfullingen

Sofie Schlegel ist selbst­ständige Unter­nehmerin in ihrer Geburts­stadt Pfullingen. Der Tod einer Tochter 1940 in einer Heil­anstalt und eines Sohnes 1943 als Soldat an der Ost­front sind für sie schwere Verluste.

Als im April 1945 an den Orts­aus­gängen von Pfullingen Panzer­sperren auf­gebaut werden, protestiert sie gegen die sinnlose Ver­teidig­ung der Stadt und den Tod weiterer Menschen. 

Ge­mein­sam baut sie und mit anderen Frauen des Ortes Panzer­sperren ab. Sofie Schlegel fordert, Pfullingen kampflos den sich der Stadt nähernden französischen Truppen zu über­geben. 

Als dies nicht geschieht und die Frauen mit Waffen­gewalt vom Pfullinger „Volkssturm“ bedroht und ver­einzelt auch ge­schla­gen werden, geht Sofie Schlegel mit mehr als 150 weiteren Frauen am 20. April 1945 in einem großen Protest­zug zum Rat­haus der Stadt und bringt dort ihre Forder­ungen vor. 

Die Frauen schrien vor dem Rathaus. Wir wollen keine ver­schossene Stadt! Wir wollen friedlich uns ergeben!

Sofie Schlegel, Gedichtzeilen, 22. April 1945

Nach an­fäng­lichen Droh­ungen gegen die Frauen zieht sich der am Rat­haus stehende „Volkssturm“ zurück. 

Als französische Truppen am 22. April 1945 Pfullingen er­rei­chen, gehen einzelne Frauen, darunter Sofie Schlegel, in weißer Kleid­ung den Panzern ent­gegen. Es kommt zu keinen Kampf­handl­ungen mehr.

2023 werden die Pfullinger Frauen für ihren Protest mit einer Stele geehrt.

Sofie Schlegel