zu den Biografien

Dora Schaul

geb. Davidsohn

21. September 1913, Berlin – 8. August 1999, Berlin

Dora Davidsohn wird in eine jüdische Familie ge­boren, die in Essen ein Ge­schäft für Radio­geräte betreibt. Sie besucht eine Handels­schule und arbeitet anschließend als kauf­männische An­gestellte.

Nach der national­sozialistischen Macht­übernahme 1933 verlässt sie Deutschland und geht nach Amsterdam. Hier lernt sie ihren späteren Ehe­mann Alfred Benjamin ken­nen, durch den sie in Kon­takt mit der Kommu­nistischen Partei kommt. 1934 geht das Paar nach Frank­reich. 

Bei Kriegs­beginn 1939 wird Dora Davidsohn in Paris fest­ge­nommen, weil sie keine gültigen Papiere vor­weisen kann. Nach der Haft in einem Pariser Gefängnis wird sie im Oktober 1939 in das süd­französische Inter­nierungs­lager Rieucros, nach dessen Schließung in das Lager Brens ge­bracht. Während der Inter­nie­rung hei­ratet sie Alfred Benjamin.

Im Juli 1942 flieht sie aus dem Lager und schließt sich in Lyon der französischen Ré­sistance an. Unter dem Deck­namen „Renée Fabre” arbeitet Dora Benjamin als Französin ge­tarnt bei deutschen Dienst­stellen, um so wichtige In­formationen für die Résistance zu sammeln. 

Sie erlebt im August 1944 die Befreiung Frankreichs vom Natio­nal­sozialismus. Ihr Ehe­mann Alfred Benjamin ist 1942 bei einem Flucht­versuch in die Schweiz verunglückt, ihre Familie im selben Jahr im Konzentrations­lager Lublin-Majdanek ermordet worden. 

Dora Benjamin kehrt 1946 mit ihrem im August 1945 in Paris ge­borenen Sohn Peter nach Deutsch­land zurück. Einige Jahre nach dem Krieg hei­ratet sie Hans Schaul, der im Spanischen Bürger­krieg für die Republik ge­kämpft hat. 

Dora Schaul, die in Ost Berlin lebt, ver­öffentlicht seit den 1970er Jahren Bücher über den Wi­der­stand in der Résistance und berichtet viel­fach als Zeit­zeugin über ihre Er­fahrungen im Wider­stand. Heute befindet sich eine Gedenk­tafel an ihrem ehe­maligen Wohn­ort in Berlin-Plänter­wald. In Brens ist 2006 eine Straße nach ihr be­nannt worden.

Dora Schaul