Luise Dieckerhoff ist das jüngste von vier Kindern des Pfarrers Gustav Dieckerhoff. Sie wächst in Bochum-Harpen auf. Nach dem Abitur arbeitet sie zunächst aushilfsweise als Lehrerin – die Lehrer müssen im Ersten Weltkrieg als Soldaten dienen – und entschließt sich dann, ein Studium aufzunehmen. An den Universitäten von Marburg, Bonn, München und Münster studiert ab sie ab 1919 Geschichte, Englisch und Erdkunde. 1924 schließt sie ihr Studium mit einer Promotion zum Thema „Deutschland, England und das Orientproblem in den 1890er Jahren“ ab.
Über ihren Studienfreund Martin Niemöller lernt Luise Dieckerhoff den Pfarrer Kurt Rehling kennen. Sie heiraten 1925 und bekommen drei Kinder. Luise Rehling arbeitet zusammen mit ihrem Mann in dessen Kirchengemeinde im Hagener Bahnhofsviertel. Soziale Fragestellungen und Frauenfragen werden zunehmend wichtig für sie.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten steht Luise Rehling dem Regime kritisch gegenüber und engagiert sich für die Bekennende Kirche um Martin Niemöller. 1934 veröffentlicht sie unter einem Pseudonym im evangelischen Gemeindeblatt einen Artikel gegen das vom Reichspropagandaminister empfohlene Theaterstück „Wittekind“ und wird mehrfach von der Gestapo verhört.
Als ihr Mann 1939 zur Wehrmacht einberufen wird, übernimmt Luise Rehling viele seiner Aufgaben in der Gemeinde und engagiert sich für “rassisch” und politisch Verfolgte und Zwangsarbeitende.
Nach Kriegsende gehört sie zu den Mitgründerinnen der CDU in Hagen und ist von 1945 bis 1964 Stadtverordnete. Sie wird Landesvorsitzende der Frauenvereinigung der CDU Westfalen-Lippe, Mitglied der Frauenarbeitsgemeinschaft der CDU/CSU und 1949 Abgeordnete der CDU im ersten Deutschen Bundestag. Von 1950 is 1964 ist sie Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates in Straßburg. Ab 1956 gehört sie dem Bundesvorstand der CDU an und wird im April 1964 zur stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion gewählt.
Luise Rehling stirbt am 29. Mai 1964.
Weiterführendes
Luise Rehling: Die Mitarbeit der Frau im öffentlichen Leben, in: Wir Frauen im Staat, Gelnhausen/Berlin-Dahlem 1953
Hannelore Rönsch: Mutter Westfalens: Luise Rehling (1896-1964), in: Renate Hellwig (Hg.): Die Christdemokratinnen. Unterwegs zur Partnerschaft, Stuttgart/Herford 1984, S. 164-175
Brigitte Kaff: Luise Rehling (1896-1964). Bundestagsabgeordnete aus Westfalen, in: Günter Buchstab u.A. (Hg.): Christliche Demokraten gegen Hitler. Aus Verfolgung und Widerstand zur Union, Freiburg 2004
Shelly Kupferberg: „Die erste Europäerin“, in: Deutscher Bundestag (Hg.): Der nächste Redner ist eine Dame. Die Frauen im ersten Deutschen Bundestag, Berlin 2024, S. 64-73



