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Biografie

Luise Rehling

geb. Dieckerhoff

20. November 1896, Bochum – 29. Mai 1964, Hagen

Porträt von Luise Rehling. Sie hat kurzes, dunkles, zurückgekämmtes Haar. Sie blickt schräg nach rechts und lächelt kaum merklich.

Luise Dieckerhoff ist das jüngste von vier Kindern des Pfarrers Gustav Diecker­hoff. Sie wächst in Bochum-Harpen auf. Nach dem Abitur arbeitet sie zunächst aushilfs­weise als Lehrerin – die Lehrer müssen im Ersten Welt­krieg als Soldaten dienen – und entschließt sich dann, ein Studium auf­zu­nehmen. An den Uni­versitäten von Marburg, Bonn, München und Münster studiert ab sie ab 1919 Ge­schichte, Englisch und Erd­kunde. 1924 schließt sie ihr Studium mit einer Promo­tion zum Thema „Deutsch­land, Eng­land und das Orient­problem in den 1890er Jahren“ ab. 

Über ihren Studienfreund Martin Niemöller lernt Luise Diecker­hoff den Pfarrer Kurt Rehling kennen. Sie hei­raten 1925 und bekommen drei Kinder. Luise Rehling arbeitet zu­sammen mit ihrem Mann in dessen Kirchen­gemeinde im Hagener Bahnhofs­viertel. Soziale Frage­stellungen und Frauen­fragen werden zu­nehmend wichtig für sie.

Nach der Macht­übernahme der National­sozialisten steht Luise Rehling dem Regime kritisch gegen­über und engagiert sich für die Be­kennende Kirche um Martin Nie­möller. 1934 ver­öffentlicht sie unter einem Pseudo­nym im evange­lischen Gemeinde­blatt einen Artikel gegen das vom Reichs­propaganda­minister empfohlene Theater­stück „Wittekind“ und wird mehr­fach von der Gestapo verhört.

Als ihr Mann 1939 zur Wehr­macht einberufen wird, übernimmt Luise Rehling viele seiner Auf­gaben in der Ge­meinde und engagiert sich für “rassisch” und politisch Ver­folgte und Zwangs­arbeitende.

Nach Kriegs­ende gehört sie zu den Mit­gründerinnen der CDU in Hagen und ist von 1945 bis 1964 Stadt­verordnete. Sie wird Landes­vorsitzende der Frauen­vereinigung der CDU Westfalen-Lippe, Mitglied der Frauen­arbeits­gemein­schaft der CDU/CSU und 1949 Ab­geordnete der CDU im ersten Deutschen Bundes­tag. Von 1950 is 1964 ist sie Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates in Straßburg. Ab 1956 gehört sie dem Bundes­vorstand der CDU an und wird im April 1964 zur stell­vertreten­den Vor­sitzenden der CDU/CSU-Fraktion gewählt. 

Luise Rehling stirbt am 29. Mai 1964.

Porträt von Luise Rehling. Sie hat kurzes, dunkles, zurückgekämmtes Haar. Sie blickt schräg nach rechts und lächelt kaum merklich.

Luise Rehling 

Weiterführendes

Luise Rehling: Die Mitarbeit der Frau im öffentlichen Leben, in: Wir Frauen im Staat, Gelnhausen/Berlin-Dahlem 1953

Hannelore Rönsch: Mutter Westfalens: Luise Rehling (1896-1964), in: Renate Hellwig (Hg.): Die Christdemokratinnen. Unterwegs zur Partnerschaft, Stuttgart/Herford 1984, S. 164-175

Brigitte Kaff: Luise Rehling (1896-1964). Bundestagsabgeordnete aus Westfalen, in: Günter Buchstab u.A. (Hg.): Christliche Demokraten gegen Hitler. Aus Verfolgung und Widerstand zur Union, Freiburg 2004

Shelly Kupferberg: „Die erste Europäerin“, in: Deutscher Bundestag (Hg.): Der nächste Redner ist eine Dame. Die Frauen im ersten Deutschen Bundestag, Berlin 2024, S. 64-73