zu den Biografien

Erika Plettl

3. September 1913, Frankfurt am Main – 1993

Erika Plettl wird 1913 in Frank­furt am Main als Tochter des Frank­fur­ter Gewerk­schafts­füh­rers und Stadt­ver­ord­neten Martin Plettl (SPD) und seiner Frau Selma ge­boren. Ihre Schul­aus­bil­dung er­hält Erika in Berlin. Sie ar­bei­tet als Konto­ris­tin und Steno­typis­tin. 

Ab 1936 ist sie für die Berliner Wohnungs­bau­firma GEHAG tätig. Erika Plettl lebt in der 1925 von ihrem Arbeit­geber in Auf­trag gege­benen und von Bruno Taut realisier­ten Huf­eisen­sied­lung in Berlin-Britz. 

Erika Plettl ist ge­werk­schaftlich im Zentral­verband der An­ge­stell­ten enga­giert und hat viele Freun­de aus sozial­de­mo­kra­ti­schen und gewerk­schaft­li­chen Kreisen. Jahre­lang ist sie Mitglied des Sport­vereins „Friesen” in Berlin-Neukölln. 

1936 lernt sie in Berlin den ebenfalls 1913 ge­borenen Kurt Schmidt ken­nen, die beiden ver­lo­ben sich im Sommer 1938. Für ihren Part­ner, der wie sie in der So­zia­lis­tischen Arbeiter­ju­gend (SAJ) und in der Wider­stands­grup­pe Neu Be­gin­nen aktiv ist, fertigt sie zwischen 1936 und 1938 auf einer Schreib­ma­schi­ne mehrere Texte an, da­run­ter die Flug­schrift „Nieder mit der Diktatur”. 

Am 4. Oktober 1938 wird Erika Plettl fest­ge­nom­men. Ihr wird vor­ge­wor­fen, ihren Ver­lobten bei seinen Wider­stands­hand­lun­gen unter­stützt zu haben. Nach­dem sie gegen­über der Gestapo ein Ge­ständ­nis ab­ge­legt hat, wird sie zwei Tage später aus „sozialen Grün­den” aus der Haft ent­lassen – ver­mut­lich, um ihre Mutter zu unter­stützen, die nach der Ver­haf­tung ihres Mannes Martin und des­sen Flucht in einer schwie­rigen Situation lebt. 

Am 12. August 1939 kommt Erika Plettl je­doch erneut in Haft und wird am 26. Septem­ber 1939 vor dem Kam­mer­gericht Berlin wegen „Vor­berei­tung zum Hoch­verrat” zu einer Ge­fäng­nis­strafe von vier Mo­na­ten Haft ver­ur­teilt und im Frauen­ge­fäng­nis in der Barnim­straße in­haftiert. 

Erika Plettl über­lebt. Nach Kriegs­ende ist sie wieder für die GEHAG tätig.

Erika Plettl