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Johanna Niederhellmann

6. Februar 1891, Mönchengladbach – 18. April 1956, Remscheid

Johanna Niederhellmann wächst in einem christ­lich ge­präg­ten Eltern­haus im Ruhr­gebiet auf. Nach einer Aus­bild­ung zur Leh­rer­in ar­bei­tet sie ab 1911 in Duisburg. Sie ist an der Grün­dung der Duis­burger Gruppe der Deutschen Friedens­gesell­schaft beteiligt und im Hilfs­werk der Quäker en­ga­giert. 1921 tritt sie der SPD bei und wird Ge­werk­schafts­mit­glied. Die Frauen­recht­lerin – seit 1928 ist sie Re­fe­ren­tin für Frauen­fragen der Duis­burger SPD – kriti­siert die national­sozia­lis­tische Poli­tik, die Frau als „Gebär­ma­schi­ne, Magd und Dienerin” zu sehen. Drei Brü­der gehören der NSDAP oder einer Unter­organi­sation an. Ihre Schwes­ter und deren Mann sind in der So­zia­lis­ti­schen Ar­bei­ter­partei (SAP) aktiv.

Im September 1933 verliert Johanna Nieder­hell­mann auf­grund ihres poli­tischen En­gage­ments für die SPD ihre Stel­lung als Leh­rer­in. Sie ist ge­zwun­gen, zurück zu ihren El­tern nach Duis­burg-Ruhr­ort zu ziehen. Hier ent­wickelt sie die Idee, mit­hilfe von Lie­fer­fah­rern der Brot­fabrik „Germania“ anti­na­tio­nal­so­zia­lis­tische Schrif­ten zu ver­tei­len. Ihr Zimmer wird zum Treff­punkt, sie stellt Kontak­te zu den Brot­aus­fahrern her und kann mit anderen einen Wider­stands­kreis auf­bauen. Auf diese Weise werden meh­rere Zeit­schrif­ten, wie die „So­zia­lis­ti­sche Aktion“ vom SPD-Exil­vorstand, in Um­lauf ge­bracht.

Nach der Auf­deckung der Gruppe durch die Ge­stapo wird Johanna Nieder­hell­mann am 6. Juni 1935 fest­ge­nom­men und wäh­rend der Ver­höre miss­handelt. Im Duis­burger „Brotfabrik“-Pro­zess des Ober­landes­gerichts Hamm wird sie 1936 zu drei Jahren Zucht­haus ver­ur­teilt. 

Nach Kriegs­ende en­ga­giert sich Johanna Nieder­hell­mann poli­tisch er­neut in der SPD und setzt sich für den Auf­bau einer Ein­heits­gewerk­schaft ein. Gesund­heit­lich durch die Miss­hand­lun­gen und Haft­um­stän­de stark be­einträch­tigt, zieht sie sich 1948 schließ­lich aus allen Äm­tern zu­rück. 

2004 wird ein Platz in Duis­burg nach Johanna Nieder­hellmann be­nannt.

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