Anna-Luise (Liesel) Kipp-Kaule wächst bei Pflegeeltern in Herford auf. Aus ökonomischen Gründen kann sie nach der Volksschule keine weiterführende Schule besuchen. In Bielefeld erlernt sie den Beruf der Näherin und arbeitet in der Wäsche- und Herrenkleiderbranche. Mit 22 Jahren schließt sie sich dem Deutschen Bekleidungsarbeiter-Verband (DBAV) an.
1928 wird Liesel Kipp-Kaule in den Betriebsrat der Firma „Seidensticker“ gewählt und bleibt in dieser Position bis zur nationalsozialistischen Machtübernahme im Januar 1933. In den folgenden Jahren bildet sie sich neben ihrer Erwerbstätigkeit in Abendkursen der Volkshochschule weiter und erlernt dort auch Fremdsprachen.
Wegen ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten wird sie im Frühsommer 1940 kurzzeitig von der Gestapo vorgeladen. Ihr werden kritische Äußerungen über Hitler und den Kriegsverlauf vorgeworfen. Liesel Kipp-Kaule wird verwarnt und wieder entlassen. Daraufhin zieht sie erst nach Karlsruhe und schließlich nach Offenbach, wo sie als kaufmännische Angestellte arbeitet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg baut Liesel Kipp-Kaule die Gewerkschaft Textil, Bekleidung, Leder in Bielefeld mit auf. Ab März 1946 ist sie Gewerkschaftssekretärin und Frauenvertreterin der Industriegewerkschaft Bekleidung und wird 1947 als einzige Frau in den 12-köpfigen Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die Britische Besatzungszone gewählt. Sie bleibt bis 1963 Mitglied im Hauptvorstand der Gewerkschaft Textil-Bekleidung für das gesamte Bundesgebiet.
Von 1949 bis 1965 ist sie zudem als Abgeordnete für die SPD im Bundestag. Als Gewerkschafterin und Politikerin setzt sich Liesel Kipp-Kaule für die Gleichstellung von Frauen und Männern ein und ist maßgeblich an der Reformierung des Mutterschutzgesetzes beteiligt. 1975 wird sie in Bielefeld mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Weiterführendes
Gisela Notz: Von der Schneiderin zur Bundestagsabgeordneten. Die Gewerkschaftsführerin Liesel Kipp-Kaule, in: Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen (2006, 35), S. 137-153
Siegfried Mielke: Liesel Kipp-Kaule (1906-1992), in: Siegfried Mielke/Marion Goers (Hg.): Gewerkschafterinnen im NS-Staat. Biographisches Handbuch, Band 2, Berlin 2022, S. 271-279












































