zurück

Biografie

Anna-Luise Kipp-Kaule

13. Februar 1906, Bielefeld – 10. Juli 1992, Bielefeld

Porträt der 47-jährigen Liesel Kipp-Kaule. Sie hat helles, lockiges Haar, das sie gescheitelt trägt. Sie trägt eine große randlose Brille, deren Gläser oben rund und unten eckig sind. Sie lächelt freundlich in die Kamera.

Anna-Luise (Liesel) Kipp-Kaule wächst bei Pflege­eltern in Herford auf. Aus ökono­mischen Gründen kann sie nach der Volks­schule keine weiter­führende Schule besuchen. In Bielefeld erlernt sie den Beruf der Näherin und arbeitet in der Wäsche- und Herren­kleider­branche. Mit 22 Jahren schließt sie sich dem Deutschen Bekleidungs­arbeiter-Verband (DBAV) an. 

1928 wird Liesel Kipp-Kaule in den Betriebs­rat der Firma „Seidensticker“ gewählt und bleibt in dieser Position bis zur national­sozialis­tischen Macht­übernahme im Januar 1933. In den folgen­den Jahren bildet sie sich neben ihrer Erwerbs­tätigkeit in Abend­kursen der Volks­hochschule weiter und erlernt dort auch Fremd­sprachen.

Wegen ihrer gewerk­schaftlichen Aktivitäten wird sie im Früh­sommer 1940 kurz­zeitig von der Gestapo vorgeladen. Ihr werden kritische Äuße­rungen über Hitler und den Kriegs­verlauf vorgeworfen. Liesel Kipp-Kaule wird verwarnt und wieder entlassen. Daraufhin zieht sie erst nach Karlsruhe und schließlich nach Offen­bach, wo sie als kauf­männische Angestellte arbeitet.

Nach dem Zweiten Welt­krieg baut Liesel Kipp-Kaule die Gewerk­schaft Textil, Bekleidung, Leder in Bielefeld mit auf. Ab März 1946 ist sie Gewerkschafts­sekretärin und Frauen­vertreterin der Industrie­gewerkschaft Be­kleidung und wird 1947 als einzige Frau in den 12-köpfigen Vorstand des Deutschen Gewerkschafts­bundes (DGB) für die Britische Besatzungs­zone gewählt. Sie bleibt bis 1963 Mitglied im Haupt­vorstand der Gewerkschaft Textil-Bekleidung für das gesamte Bundes­gebiet. 

Von 1949 bis 1965 ist sie zudem als Abgeord­nete für die SPD im Bundes­tag. Als Gewerk­schafterin und Politikerin setzt sich Liesel Kipp-Kaule für die Gleich­stellung von Frauen und Männern ein und ist maß­geblich an der Reformierung des Mutterschutz­gesetzes beteiligt. 1975 wird sie in Bielefeld mit dem Bundes­verdienst­kreuz ausgezeichnet.

Porträt der 47-jährigen Liesel Kipp-Kaule. Sie hat helles, lockiges Haar, das sie gescheitelt trägt. Sie trägt eine große randlose Brille, deren Gläser oben rund und unten eckig sind. Sie lächelt freundlich in die Kamera.

Anna-Luise Kipp-Kaule 

Weiterführendes

Gisela Notz: Von der Schneiderin zur Bundestagsabgeordneten. Die Gewerkschaftsführerin Liesel Kipp-Kaule, in: Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen (2006, 35), S. 137-153

Siegfried Mielke: Liesel Kipp-Kaule (1906-1992), in: Siegfried Mielke/Marion Goers (Hg.): Gewerkschafterinnen im NS-Staat. Biographisches Handbuch, Band 2, Berlin 2022, S. 271-279