Marie Heisig wird am 20. Oktober 1892 im oberschlesischen Neustadt geboren und lebt ab 1908 in Berlin-Kreuzberg. Sie arbeitet als Schuh- und Lederwarenstepperin und Metallarbeiterin und engagiert sich gewerkschaftlich. Ab 1925 bei der Firma Leiser beschäftigt, ist Marie Heisig im dortigen Betriebsrat aktiv.
1928 wird sie Mitglied der KPD und des Roten Frauen- und Mädchenbunds. Von 1929 bis 1933 gehört sie der KPD-Fraktion in der Berliner Bezirksverordnetenversammlung an. Noch im März 1933 kandidiert sie für die KPD bei den Reichstagswahlen.
Als nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten die KPD verboten wird, bleibt sie trotz dieser gefährlichen Situation für Partei aktiv. Sie kassiert Mitgliedsbeiträge im Bezirk Friedrichshain und organisiert für verfolgte KPD-Mitglieder sichere Unterkünfte in der Stadt.
Am 22. März 1934 wird Marie Heisig festgenommen und drei Monate später vom Kammergericht Berlin zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis 1938 ist sie im Frauengefängnis Barnimstraße in Berlin, im Zuchthaus Jauer und in den Konzentrationslagern Moringen und Lichtenburg inhaftiert.
Nach dem missglückten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 wird Marie Heisig im Zuge der Gestapo-Verhaftungsaktion „Aktion Gewitter” erneut festgenommen und bis zum 25. September 1944 im Konzentrationslager Ravensbrück festgehalten.
Sie überlebt den Nationalsozialismus und tritt 1945 in die KPD und 1946 in die SED ein. Erst Ende 1967 wird Marie Heisig in West-Berlin der Status als politisch Verfolgte (PrV) zuerkannt. 1971 siedelt sie schwerkrank in die DDR nach Ost-Berlin über, wo sie 1972 verstirbt.
Weiterführendes
Christine Fischer-Defoy (Hg.): Vor die Tür gesetzt! Im Nationalsozialismus verfolgte Berliner Stadtverordnete und Magistratsmitglieder 1933–1945, Berlin 2006
Dietlinde Peters: „… Und keiner bekommt mich einfach krumm gebogen”. Frauen in Friedrichshain und Kreuzberg, Berlin 2014




