Gertrud Tautor wächst in einer kinderreichen Familie auf, sie ist eins von insgesamt 13 Geschwistern. Nach dem Abschluss der Volksschule beginnt sie eine Lehre als Köchin, hilft dann aber überwiegend ihrer Mutter im Haushalt.
Ihr erster Ehemann Emil Lemke verstirbt 1920 an einer Lungenkrankheit. Das Paar hat gemeinsam zwei Kinder, der Sohn verunglückt 1914 tödlich. 1924 heiratet sie den Musiker Anton Hager, der später in der „Sturmabteilung“ (SA) aktiv ist. 1934 trennen sich die Hagers, sie zieht nach der Scheidung zu ihrer Schwester nach Berlin um und hilft in deren Geschäft aus.
Im Juli 1935 wird Gertrud Hager festgenommen, weil sie in einem Lokal die SA als „Saustall“ bezeichnet hat. Das Sondergericht Berlin verurteilt sie deshalb im Dezember 1935 wegen „Heimtücke“ zu sieben Monaten Gefängnishaft. Vor Gericht ist auch die gescheiterte Ehe mit Anton Hager Thema, der sie angezeigt hat und als Zeuge belastet.
Nachdem sie im März 1936 nach Verbüßung ihrer Haftstrafe aus dem Frauengefängnis in der Berliner Barnimstraße entlassen wird, ist Gertrud Hager in verschiedenen Hotels und beim Polizeiabschnitt in Berlin-Wilmersdorf als Köchin tätig.
Anschließend findet sie eine Anstellung in dem Erholungsheim Schloss Hohenstein in Oberfranken. Mehrfach stellt sie dort gegenüber Gästen einen Sieg der Wehrmacht in Frage und kritisiert die nationalsozialistische Führung. Im Juni 1944 wird sie erneut festgenommen und wenige Monate später vor dem Oberlandesgericht München wegen „Wehrkraftzersetzung“ und „Heimtücke“ angeklagt. Zu einer Verurteilung kommt es nicht mehr, sie bleibt aber bis Kriegsende in Haft.
Nach Kriegsende lebt Gertrud Hager in Berlin-Charlottenburg und wird 1947 als „Opfer des Faschismus“ (OdF) anerkannt.







