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Biografie

Gertrud Hager

geb. Tautor

3. Dezember 1891, Bogdahnen (Kaliningrad)

Portrait: Gertrud Hager

Gertrud Tautor wächst in einer kinder­reichen Familie auf, sie ist eins von ins­gesamt 13 Ge­schwis­tern. Nach dem Ab­schluss der Volks­schule beginnt sie eine Lehre als Köchin, hilft dann aber über­wie­gend ihrer Mutter im Haus­halt. 

Ihr erster Ehe­mann Emil Lemke ver­stirbt 1920 an einer Lungen­krank­heit. Das Paar hat ge­mein­sam zwei Kinder, der Sohn ver­unglückt 1914 tödlich. 1924 heiratet sie den Musi­ker Anton Hager, der spä­ter in der „Sturm­abteilung“ (SA) aktiv ist. 1934 trennen sich die Hagers, sie zieht nach der Schei­dung zu ihrer Schwester nach Berlin um und hilft in deren Ge­schäft aus. 

Im Juli 1935 wird Gertrud Hager fest­ge­nom­men, weil sie in einem Lokal die SA als „Saustall“ bezeichnet hat. Das Sonder­gericht Berlin verurteilt sie deshalb im Dezember 1935 wegen „Heimtücke“ zu sieben Mona­ten Gefängnis­haft. Vor Gericht ist auch die ge­schei­terte Ehe mit Anton Hager Thema, der sie an­ge­zeigt hat und als Zeuge be­las­tet. 

Nachdem sie im März 1936 nach Ver­bü­ßung ihrer Haft­strafe aus dem Frauen­ge­fäng­nis in der Berliner Barnim­straße entlassen wird, ist Gertrud Hager in ver­schie­den­en Hotels und beim Polizei­abschnitt in Berlin-Wilmers­dorf als Köchin tätig. 

An­schließend findet sie eine An­stel­lung in dem Erholungs­heim Schloss Hohenstein in Ober­franken. Mehr­fach stellt sie dort gegen­über Gästen einen Sieg der Wehr­macht in Frage und kritisiert die national­sozialis­tische Füh­rung. Im Juni 1944 wird sie erneut fest­ge­nommen und wenige Monate später vor dem Ober­landes­gericht München wegen „Wehrkraft­zersetzung“ und „Heimtücke“ angeklagt. Zu einer Ver­ur­tei­lung kommt es nicht mehr, sie bleibt aber bis Kriegs­ende in Haft.

Nach Kriegs­ende lebt Gertrud Hager in Berlin-Charlotten­burg und wird 1947 als „Opfer des Fa­schismus“ (OdF) an­erkannt.

Portrait: Gertrud Hager

Gertrud Hager