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Biografie

Anneliese Groscurth

geb. Plumpe

12. September 1910, Essen – 28. September 1996, Berlin

Porträt der 43-jährigen Anneliese Groscurth. Sie hat dunkles, gescheiteltes Haar, das ihr knapp über die Ohren reicht. Sie blickt schräg nach unten.

Anneliese Plumpe wird 1910 in Essen geboren. Sie studiert nach der Schule Medizin und arbeitet an­schließend ab Mitte der 1930er Jahre als Assistenz­ärztin in Berlin-Moabit. Dort lernt sie den Internisten Georg Groscurth kennen, den sie 1939 heiratet. Das Ehe­paar wohnt in Berlin-Charlotten­burg und bekommt zwei Söhne.

Im National­sozialismus leisten die Groscurths auf ver­schiedene Weise Wider­stand. Georg Groscurth gründet gemeinsam mit Robert Have­mann und anderen im Juli 1943 die Widerstands­gruppe Europäische Union, ein Kreis aus Intellektuellen, die sich gegen das NS-Regime aus­sprechen und Visionen über eine euro­päische Gemein­schaft nach dem Zweiten Weltkrieg entwickeln. 

Im Sommer 1943 nehmen Anneliese und Georg Groscurth die von der Deportation bedrohte Frankfurter Jüdin Elisabeth von Scheven für einige Wo­chen bei sich auf. Elisabeth von Scheven wird in den folgenden Wochen bei mehreren Mitgliedern der Euro­päischen Union ver­steckt und entgeht so zunächst einer Deportation. Im September 1943 wird sie ent­deckt und von Berlin aus in das Kon­zentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau de­portiert, kann die Ver­folgung aber über­leben.

Als die Europäische Union im Herbst 1943 zer­schlagen wird, nimmt die Gestapo auch Anneliese Groscurth und ihren Mann in Haft. Nach weni­gen Wochen kommt Anneliese Groscurth wieder aus der Unter­suchungs­haft frei. Ihr Mann Georg Groscurth wird am 16. Dezember 1943 vom „Volks­gericht­shof“ zum Tode verurteilt und am 8. Mai 1944 im Zuchthaus Branden­burg-Görden ermor­det.

Nach Kriegs­ende arbeitet Anneliese Groscurth als Amts­ärztin in Berlin-Charlotten­burg. 1950 wird sie wegen Unter­stützung eines Volks­begehrens gegen die Wieder­aufrüstung der Bundes­republik Deutsch­lands entlassen. Sie ist danach in einer eigenen Arzt­praxis in Charlottenburg tätig. 

2005 werden Anneliese und Georg Groscurth posthum von der israeli­schen Gedenk­stätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

Porträt der 43-jährigen Anneliese Groscurth. Sie hat dunkles, gescheiteltes Haar, das ihr knapp über die Ohren reicht. Sie blickt schräg nach unten.

Anneliese Groscurth