zu den Biografien

Minna Bollmann

geb. Zacharias

31. Januar 1876, Halberstadt – 9. Dezember 1935, Halberstadt

Die im Harz geborene Minna Zacharias lässt sich nach dem Be­such der Volks­schule zur Schnei­derin ausbilden. 1896 heiratet sie Max Bollmann, den In­haber von „Bollmanns Gast­stätte” in Halber­stadt. Das Paar betreibt nun ge­meinsam das Wirts­haus, das der lokalen SPD als Ver­samm­lungs­ort dient. 

Genau wie ihr Vater, der die SPD in Halber­stadt mit­ge­gründet hat, en­ga­giert sich auch Minna Boll­mann in der sozial­demo­kratischen Partei. Sie wird 1905 Mit­glied der SPD, nimmt an Partei­tagen teil und tritt als Red­ne­rin auf. 

Von 1919 bis 1920 gehört Minna Bollmann der Weimarer National­ver­samm­lung an und ist damit eine der ers­ten Frauen im deutschen Par­la­ment. 1919 bis 1933 ist sie außer­dem Stadt­verord­nete von Halber­stadt und hat einen Sitz im Preußischen Land­tag inne. Sie ist Mit­glied des Kreis­vorstandes der SPD und des zen­tralen Partei­aus­schusses.

Nach dem Macht­wechsel 1933 bleibt die Gast­stätte von Minna und Max Bollmann ein Ver­sammlungs­ort für Sozial­demo­kraten, die sich hier nun heim­lich treffen müssen. Das Gast­haus wird immer wieder von der Gestapo über­wacht. Zudem leistet Minna Boll­mann Hilfe für Ver­folgte.

Aus Verzweiflung über die po­li­tische Lage und die Ver­fol­gung vieler bekannter SPD-Mit­glieder nimmt sich Minna Bollmann am 9. Dezember 1935 das Leben. 

Ihre Be­er­digung findet unter großer Anteil­nahme als eine stille Massen­demons­tration ge­gen den Na­tional­sozia­lismus statt. Im Zuge der Trauer­feier, die von der Gestapo be­ob­achtet wird, kommt es zu zah­lreichen Fest­nahmen und Ver­ur­tei­lungen. Auch Minna Bollmanns Sohn, Otto Bollmann, wird 1936 fest­ge­nommen, zu einer Zucht­haus­strafe verurteilt und bis 1942 im KZ Sachsen­hausen fest­gehalten.

Die Gast­stätte in Halber­stadt existiert noch heute, eine Tafel vor Ort weist auf die Geschichte des Hau­ses und das Wirken von Minna Bollmann hin.

Minna Bollmann