zu den Biografien

Hansi-Marion Bernhard

geb. Hans Bernhard

19. Dezember 1900, Darmstadt – 31. Januar 1981, Berlin

1900 als Kind der un­ver­hei­ra­te­ten Schau­spielerin Pauline Bernhard ge­boren, wächst der/die inter­sexuelle Hans Bernhard als Jun­ge in Wies­baden auf. Er/Sie studiert Philo­so­phie und Wirt­schafts­wissen­schaften und promoviert 1922. 

Schon während des Studiums engagiert er/sie sich in der Friedens­bewegung. Als wissen­schaft­licher Mit­arbeiter/in für Wirtschafts- und Finanzfragen arbeitet er/sie zu­nächst für den Gewerk­schafts­bund der Angestellten, ab 1925 selbständig für Ministerien, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften. Um 1925 zieht Hans Bernhard nach Berlin.

Bereits 1930 verfasst er/sie eine Denk­schrift, um das mittlere Unter­nehmer­tum vor dem National­sozialismus zu warnen. Auch in den darauf­folgenden Wahl­kämpfen bezieht Hans Bernhard in Ver­öffent­lich­ungen und Re­den gegen Hitler Stellung. Bei einem Auf­tritt wird er/sie von National­sozia­listen tät­lich angegriffen.

Ab 1933 tritt Hans Bernhard als Frau auf. Aufgrund seiner/ihrer politischen Haltung und weil er/sie im National­sozialismus als jüdischer „Mischling 2. Grades“ gilt, kann er/sie das Berufs­ziel einer Uni­versitäts­professur nicht weiter­ver­folgen. Hans Bernhard lebt nun notdürftig von frühe­ren Ersparnissen. 1940 wird er/sie als Inter­sexueller bei der Wehr­macht aus­ge­mus­tert.

Hans Bernhard knüpft Kon­tak­te zur KPD und unter­stützt poli­tisch und rassisch Ver­folgte auf viel­fältige Weise. Er/Sie gibt War­nun­gen vor drohender Ver­haf­tung wei­ter und ver­mittelt Quar­tiere für unter­ge­tauch­te Jüdinnen und Juden.

Nach Kriegs­ende nennt sich Bernhard Hansi-Marion. Sie wird als „Opfer des Faschismus“ und als politisch Ver­folgte anerkannt. Um 1954/55 ist Dr. Hansi-Marion Bernhard Lei­ter­in der Volks­hoch­schule Charlotten­burg und lebt bis zu ihrem Tod 1981 in Berlin.

Hansi-Marion Bernhard