zu den Biografien

Anita Augspurg

22. September 1857, Verden (Aller) – 20. Februar 1943, Zürich

Die in eine jü­di­sche Familie hinein­gebo­rene Anita Augspurg ar­beitet nach dem Schulb­esuch in der An­walts­kanz­lei ihres Vaters mit. An­schlie­ßend lässt sie sich erst zur Turn­lehrerin aus­bil­den und nimmt dann Schau­spiel­unterricht. In den fol­gen­den Jah­ren hat sie mehrere En­ga­ge­ments an ver­schieden­en Thea­tern. 1887 er­öff­net sie mit einer Freun­din ein Foto­studio in München.

Da Anita Augspurg als Frau zum Ende des 19. Jahr­hunderts in Deutsch­land nicht stu­die­ren darf, schreibt sie sich 1893 für ein Jura­stu­di­um in der Schweiz ein und schließt dort vier Jahre spä­ter mit einer Promotion ab. Als erste deutsche pro­mo­vierte Juristin setzt sie sich für das Frauen­wahl­recht ein und en­ga­giert sich in der Frauen­bewegung. Die überzeugte Pazifistin gehört 1915 zu den Initia­tor­innen der Inter­na­tionalen Frauen­friedens­konferenz in Den Haag.

1919 bis 1933 gibt Anita Augspurg ge­mein­sam mit ihrer Lebens­gefährtin Lida Gustava Heymann die Monats­schrift „Die Frau im Staat“ heraus, in der sie Stellung ge­gen den wach­sen­den anti­semi­tischen Terror in Deutsch­land be­zieht. Das Paar lebt in München und be­kommt dort die Gewalt der National­sozialisten früh zu spüren. Ver­samm­lungs­stö­rungen und Über­griffe sowie eine beispiel­lose Hetz­kam­pagne gegen die Mitglieder der pazi­fis­tisch­en Frauen­bewe­gung be­hin­dern deren Arbeit. 

Nach der national­sozia­listischen Macht­übernahme kehren Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann deshalb von einer Auslands­reise nicht nach Deutschland zurück. Das gesamte Vermögen von Anita Augspurg wird in Deutsch­land konfis­ziert und sie kann im Schweizer Exil nur mühsam ihren Unter­halt mit pub­lizis­tischen Tätig­keiten und der Unter­stützung von Freun­din­nen sichern. 

Anita Augspurg stirbt im De­zem­ber 1943 in Zürich, fünf Mo­nate nach dem Tod ihrer Lebens­gefährtin Lida Gustava Heymann. 

Anita Augspurg