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Biografie

Maria Ansorge

geb. Scholz

15. Dezember 1880, Löchau (Lachov) – 11. Juli 1955, Dorsten

Portrait: Maria Ansorge

Maria Scholz, 1880 in Löchau (Lachov) geboren, wächst in einer von Ar­mut be­troffenen Fa­milie auf. Bereits wäh­rend der Schul­zeit arbei­tet sie in der Land­wirtschaft und unter­stützt nach dem Tod ihres Vaters 1894 die Mut­ter und drei Geschwis­ter als Textil­arbeiterin. 1904 hei­ratet sie in Fried­land (Mieroszów) den Bleich­arbeiter Fried­rich Ansor­ge, die Ehe wird bald darauf ge­schieden. Maria An­sorge wird 1905 Mit­glied der SPD und ist von 1907 bis 1911 im Vor­stand des Deutschen Textil­arbeiter­verbandes (DTAV) in Fried­land. Sie wird Mit­arbeiterin der sozial­demokra­tischen Zei­tung „Schle­sische Berg­wacht“, gründet in Walden­burg (Wałbrzych) die „Frauen- und Kinderschutz­kommission“ und 1917 die dor­tige Arbeiter­wohlfahrt (AWO), der sie von 1930 bis 1933 als Lei­terin dient. Von 1920 bis zur Macht­übernahme der National­sozialisten ist sie mit kur­zer Unter­brechung SPD-Reichs­tags­abgeordnete.

Als Sozial­demokratin be­kannt, wird Maria An­sorge bereits 1933 kurz­zeitig fest­genommen. Mehrere Haus­durch­suchungen und eine weitere Fest­nahme 1935 folgen. Nach dem Attentats­versuch auf Hitler am 20. Juli 1944 wird auch Maria An­sorge im Rah­men der „Aktion Ge­witter“ ver­haftet und vom 13. Septem­ber bis zum 3. Novem­ber 1944 im KZ Ravens­brück einge­sperrt. Ihr ein­ziges Kind stirbt im Mai 1945, we­nige Tage vor Kriegs­ende, als Sol­dat. 

Im Jahr nach der Be­freiung wird Maria An­sorge zu­nächst als Bürger­meisterin in Nieder-Salzbrunn (Szczawienko) ein­gesetzt. Gemein­sam mit ihrer Fa­milie ver­lässt sie den Ort und zieht nach Marl in Nordrhein-Westfalen. Dort ist sie ab 1948 im Stadt­rat und rückt von 1951 bis 1953 als Ab­geordnete in den Deutschen Bundes­tag nach. In ihren poli­tischen Ämt­ern so­wohl vor 1933 als auch nach 1945 setzt sie sich ins­besondere für die Ver­sorgung von Hinter­bliebenen der Welt­kriege in.

Maria Ansorge stirbt 1955 in­folge eines Schlag­anfalls.

Portrait: Maria Ansorge

Maria Ansorge 

Weiterführendes

Regine Marquardt: Das Ja zur Politik. Frauen im Deutschen Bundestag 1949-1961. Ausgewählte Biographien, Opladen 1999

Werner Reutter: Ansorge, Maria (1880-1955). Ein Leben für Politik und Gesellschaft, in: Siegfried Mielke (Hg.): Gewerkschafterinnen im NS-Staat. Verfolgung, Widerstand, Emigration, Essen 2008, S. 50-59

Heike Erlbeck: Maria Ansorge (1880-1955), SPD, in: Deutscher Bundestag (Hg.): Der nächste Redner ist eine Dame. Die Frauen im ersten Deutschen Bundestag, Berlin 2024, S. 108-111