Maria Scholz, 1880 in Löchau (Lachov) geboren, wächst in einer von Armut betroffenen Familie auf. Bereits während der Schulzeit arbeitet sie in der Landwirtschaft und unterstützt nach dem Tod ihres Vaters 1894 die Mutter und drei Geschwister als Textilarbeiterin. 1904 heiratet sie in Friedland (Mieroszów) den Bleicharbeiter Friedrich Ansorge, die Ehe wird bald darauf geschieden. Maria Ansorge wird 1905 Mitglied der SPD und ist von 1907 bis 1911 im Vorstand des Deutschen Textilarbeiterverbandes (DTAV) in Friedland. Sie wird Mitarbeiterin der sozialdemokratischen Zeitung „Schlesische Bergwacht“, gründet in Waldenburg (Wałbrzych) die „Frauen- und Kinderschutzkommission“ und 1917 die dortige Arbeiterwohlfahrt (AWO), der sie von 1930 bis 1933 als Leiterin dient. Von 1920 bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten ist sie mit kurzer Unterbrechung SPD-Reichstagsabgeordnete.
Als Sozialdemokratin bekannt, wird Maria Ansorge bereits 1933 kurzzeitig festgenommen. Mehrere Hausdurchsuchungen und eine weitere Festnahme 1935 folgen. Nach dem Attentatsversuch auf Hitler am 20. Juli 1944 wird auch Maria Ansorge im Rahmen der „Aktion Gewitter“ verhaftet und vom 13. September bis zum 3. November 1944 im KZ Ravensbrück eingesperrt. Ihr einziges Kind stirbt im Mai 1945, wenige Tage vor Kriegsende, als Soldat.
Im Jahr nach der Befreiung wird Maria Ansorge zunächst als Bürgermeisterin in Nieder-Salzbrunn (Szczawienko) eingesetzt. Gemeinsam mit ihrer Familie verlässt sie den Ort und zieht nach Marl in Nordrhein-Westfalen. Dort ist sie ab 1948 im Stadtrat und rückt von 1951 bis 1953 als Abgeordnete in den Deutschen Bundestag nach. In ihren politischen Ämtern sowohl vor 1933 als auch nach 1945 setzt sie sich insbesondere für die Versorgung von Hinterbliebenen der Weltkriege in.
Maria Ansorge stirbt 1955 infolge eines Schlaganfalls.
Personen
Weiterführendes
Regine Marquardt: Das Ja zur Politik. Frauen im Deutschen Bundestag 1949-1961. Ausgewählte Biographien, Opladen 1999
Werner Reutter: Ansorge, Maria (1880-1955). Ein Leben für Politik und Gesellschaft, in: Siegfried Mielke (Hg.): Gewerkschafterinnen im NS-Staat. Verfolgung, Widerstand, Emigration, Essen 2008, S. 50-59
Heike Erlbeck: Maria Ansorge (1880-1955), SPD, in: Deutscher Bundestag (Hg.): Der nächste Redner ist eine Dame. Die Frauen im ersten Deutschen Bundestag, Berlin 2024, S. 108-111




